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Der Brief der die Idee für diese Seite weckte.
Pangaribuan, Advent 2004
Nicht mit brennenden Kerzen entzündet man die Welt,
sondern mit brennenden Herzen. (Peter Lippert)
Liebe Missionsfreunde,
alle Jahre wieder!!! Wie schnell vergeht doch die Zeit. Mit einem lieben Gruss aus der Missionsstation in Pangaribuan möchte ich Ihnen allen danken für die Hilef, die wir das ganze Jahr über wieder erfahren durften.
Dank für das Gedenken im Gebet, Dank für die Geld- und Sachspenden, Dank dafür, dass sie uns nicht alleine lassen.
Wie so immer, so hat sich auch im Jahr 2004 so allerhand bei uns ereignet.
Her Superior Neckermann von Reute ging in Pension und besuchte uns nochmals vorher, zusammen mit Sr. Margot. Er besuchte jede Station und wir alle haben uns recht gefreut, zumal Herr Superior so ganz unkompliziert ist. Das Essen, die Hitze all unsere Lebensgewohnheiten, er hat das prima gemeistert.
Im Konvent hat Sr. Goretti die Aufgabe von Sr. Stefanie im Kindergarten übernommen. Eine schöne Abwechslung erlebte ich im Mai, denn da besuchten mich meine Schwester mit Nichte, Hanne und Monika. Ende August kam Mutter Paulin und Sr. Margot aus Reute zum Regionalkapitel. Gewählt wurde unsere neue Oberin. Sr Elisabeth, unsere bisherige Oberin hat eine neue Aufgabe in Yogyakarta übernommen. Nach dem Kapitel besuchte auch Sr. Paulin jede Station. Mit Ihrer frohen Art hat sie uns im Konventsgespräch viel Mut gemacht, unser Leben auf Franziskus auszurichten. Mit Freude, Liebe und Einfachheit sollen wir zu den Menschen gehen, die unsere Liebe brauchen, die verlassen, verachtet, oder vom Schicksal schwer getroffen sind.
Unserer Oma Opung Berman hat seit vielen Jahren ein bösartiges Gewächs am rechten Aug. Es wurde schon einmal wegoperiert, aber es kam immer wieder. Inzwischen ist auch das zweite Auge befallen davon. Die obere Gesichtshälfte ist eine offene, faulende Wunde. Da Sie nicht mehr zu uns kommen kann, besuchten wir sie abwechselnd im Haus. Letzte Woche, als ich 3 Tage lang nicht zu ihr konnte, war die ganze Wundfläche mit Würmern befallen. Aus Nase, Mund und Augen holte ich mehr als 100 Würmer. Ich verwendete Erdöl und da kamen alle zum Vorschein. Für die Familie ist es sehr schwer, denn nicht jeder kann diesen Anblick und auch den Geruch vertragen. Ich brachte der Oma etwas Kinderbrei und mit einer Wonne hat sie diesen gegessen.
Letzte Woche brachte man uns ein Neugeborenes von einem Dorf, etwa 50 km von uns entfernt. Man erzählte mir, dass die Mutter um 13 Uhr gestorben sei, bei der Geburt Ihres 2. Kindes. Die Mutter begab sich nachts schon ins Haus der Hebamme, hat aber erst am Mittag um 12 Uhr entbunden. Da sie recht schwach war, kam es zur Blutung und die Hebamme hatte keine Infusionen im Haus. Man brachte das Kind sofort zu uns, ein schreiendes, krampfenden noch blutverschmiertes kleines Bündel. Ich badete es, versorgte den Nabel und wollte ihm zu trinken geben. Es trank nichts, bekam auch immer wieder krampfartige Zuckungen. Ich klärte die Angehörigen auf, dass das Kind nicht gesund sei und bat sie, sie möchten doch am nächsten Tag nochmals kommen. Die Nachtwache im Kinderheim und ich erlebten eine schlimme Nacht. Denn das Kind fand keine Ruhe. Da es nichts trank, legte ich ihm eine Infusion an, gab zur Beruhigung etwas Valium. Doch nichts half diesem Kind. Am Morgen rief ich den Medizin-Mann im Dorf und habe ihm meine Not mitgeteilt. Seine Antwort war, sofort: „ Das Kind hat noch keinen Abschied genommen, es muss zurück.“ Wir brachten es ins Dorf und dort haben die Dorfältesten das Kind in Empfang genommen, es zum Leichnam der Mutter gebracht. Die Zeremonie ging sehr lange und am Abend brachte man uns ein friedlich schlafendes Kind, eingewickelt in den Sarung der Mutter. Nach Erzählungen der Verwandten, hat der Geist der Mutter das Kind bei uns aufgesucht, die Mutter wollte es zu sich holen. Dies sind Erlebnisse als würde man Märchen erzählen, aber nachdem ich solche Sachen und Erlebnisse schon des Öfteren erlebt habe, glaube ich an den Glauben dieser Menschen.
Ein weiteres Sorgenkind, welches schon einige Monate bei uns ist, ist der 12 jährige Sahhat. Als kleiner Junge wurde er an die Hüfte in Harapan Jaya operiert und man stellte damals eine Knochen-Tbc fest. Es ging im danach aber sehr gut. Einige Zeit hat er regelmässig Medizin geholt, doch dann sah man ihn lange nicht mehr. Er kam bei uns an, klein abgemagert, wie in der 3. Volksschulklasse. Blutarmut, vergrösserte Leber und große Oberbauchschmerzen mit starker Atemnot waren seine Symptome. Nachdem er sich zunächst etwas erholt hatte, gab ich ihm ein Wurmmittel und danach hat er 3 Tage lang viele, viele Würmer abgeführt. Es ging ihm danach wesentlich besser.
Am 7. Oktober feierten wir noch gemeinsam in Padangsidempuan, unserem 1. Niederlasssungsort auf Sumatra, unser 40 jähriges Bestehen der Reuter Schwestern. Von den 5 Schwestern, die damals ihren Auftrag hier begonnen haben, leben nur noch Sr. Erminolda und Sr. Thoma. Wenn die Beiden von ihren Anfängen in Indonesien erzählen, dann sieht man doch, dass sich schon Gewaltiges zwischenzeitlich getan hat.
Im Kinderheim ist immer noch viel Betrieb, doch weit weniger wie vor vielen Jahren. Ein gutes Zeichen, denn die Sterblichkeit der Mütter bei der Geburt ist erheblich gesunken, Dank der Vorsorge, die jetzt viel Mütter nach unseren Schulungen wieder beachten.
Im Moment versorgen wir Monika, 9 Monate alt und ein weiteres Baby von 3 Monaten. Die Mutter von Monika starb im Juni an Brustkrebs, der Vater hat Tbc. Ich hatte schon einmal davon berichtet. Im Januar kam die Mutter von Monika zur Vorsorge. Die eine Brust war schon damals total vereitert. Im April hat sie dann entbunden und war dann, in kürzeren Abständen, immer mal wieder bei uns. Da ging es ihr dann etwas besser. Zuhause versorgte sie immer dann auch wieder das Reisfeld. Am 7. Juni wurden wir abends zu Monikas Mutter gerufen. Sie blutete aus beiden Brüsten. Ich gab ihr Infusionen und machte einen Druckverband auf die Brust. Leider war die Blutung nicht mehr zu stillen. Wir alle versammelten uns um diese Frau, beteten mit ihr und standen ihr bei in ihrer letzten schweren Stunde. 4 kleine Kinder und ein verzweifelter Vater weinten bitterlich, ja, sie schrien vor dieser sterbenden Frau und Mutter.
Obwohl ich schon viele solche Situationen erlebte ist es für mich auch immer wieder sehr schmerzlich, wenn ich in solchen Fällen nicht mehr helfen kann.
Dies ind so mal wieder kleine Ausschnitte aus unserem Alltag in Pangaribuan.
Von Herzen wünschen wir, Sr. Firmina, SR. Goretti, SR. Imelda und ich, Ihnen allen eine gesegnete Weihnachtszeit. Gottes Liebe, Schutz und Gesundheit wünsche wir Ihnen für das Neue Jahr 2005.
Bleiben wir uns im Gebet treu verbunden.
Ihre und Eure
Colette